Foto: Wolfgang Schiele

Gute zwei Flugstunden braucht man, um von den Seychellen auf den südöstlichsten Außenposten der Europäischen Union zu gelangen: nach La Reunion. Die Flugroute führt südostwärts und außer dem Wasser des Indik bekommt man nicht viel zu sehen. Allerdings, wenn man Glück hat, beim Anflug auf den Flughafen Roland Garros, kann man den höchsten Berg des Indischen Ozeans, den 3071 m hohen Piton de Neiges (auf deutsch: Schneegipfel), sehen …

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Die Insel ist komplett vulkanischen Ursprungs und besteht, vereinfacht gesagt, aus drei großen Calderas und einem sehr aktiven vulkanischen Südostzipfel. Fast alles hier ist zu einem Nationalpark umgewidmet worden, um die sehenswerte Natur bestmöglichst zu erhalten. Der Piton de la Fournaise, den wir besuchten, war gerade 48 Stunden zuvor ausgebrochen, so dass wir nicht direkt an den Krater herandurften, aber vom alten Calderarand aus einen grandiosen Überblick über das unterirdische Wirken der Erdkräfte bekamen.

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Aber La Reunion hat auch anderes zu bieten. Die Insel, ein Überseedepartement Frankreichs, ist ebenso wie die Seychellen, ein Badeparadies mit vielen weißen Buchten, schönen Hotelanlagen und gutem kreolischen Essen. Selbst in den Bistros wird Wert auf einen guten visuellen Eindruck gelegt. Und auf eine kreative Geschmackskombination, die sich aus afrikanischer, indischer und französischer Küchentradition zusammensetzt.

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Imposant ist ein Ausflug in den Circle de Cilaos. Nach einer halsbrecherischen Fahrt über 400 Kurven und durch drei Tunnel, die dem Bus rechts und links gerade noch eine Handbreit Manövrierfähigkeit gestatteten, kommt man in über eintausend Metern Höhe in einem gewaltigen Talkessel an. Ein liebliches Städtchen mit viel Flair und einem Anmut, den man nicht überall in Frankreichs Orten begegnet.

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So, wie es nach oben ging, geht es auch wieder nach unten – nämlich äußerst kurvenreich. Während eines Abendbummels über eine der bezaubernden Strandpromenaden kann man links und rechts des Weges viele schöne tropische Pflanzen sehen. Meine Lieblingsblume ist die Pagodenblume, die es in Weiß, Gelb und manchmal auch in prächtigem Rosa gibt.

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Verlockende Badehotels, weiße Strände, endlose, türkisfarbene Brandung – auch das ist La Reunion. Aber Vorsicht! Zum einen, weil der helle Sand nicht nur fein oder mehlig ist, sondern von totem Korallenkalk durchsetzt ist und den Füßen schmerzhaft zusetzen kann. Hier bieten sich Badeschuhe zur Abwehr an. Zum anderen, weil das Schwimmen im offenen Meer auf La Reunion wegen möglicher Haiattacken bei Strafandrohung verboten ist (es sei denn, man geht dorthin, wo Strandabschnitte sind mit Netzen geschützt sind …). Gegen die großen Meeresräuber helfen die Badeschuhe dann eben auch nicht.

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Auch auf La Reunion, wie überall in Äquatornähe, gilt: Die Sonnenuntergänge vollziehen sich abrupt und oft unspektakulär. Unser Stern platscht sehr schnell ins Meer und als Fotograf muss man fix sein, um die wenigen Momente für ein gutes Klischeefoto zu nutzen.

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Ein weiterer Ausflug führte nach Hellbourgh durch einen typischen Regenwald. Bis zu 90% Luftfeuchte und Temperaturen um 30°C machen das Atmen schwer. Aber die schönen Ausflugsziele sind eben nur in einer gewissen Höhenlage zu finden: an den Rändern der Einsturzkrater, die fruchtbaren Boden für die Landwirtschaft zurückgelassen haben. Eine Wasserflasche ist Pflicht und langsames sowie achtsames Gehen erspart die Schnappatmung …

Foto: Wolfgang Schiele

Kurz vor dem Sommermonsun Ende Oktober sehen die Wälder und Hänge aus, als hätten sie die kommende Gewaltdusche schon hinter sich. Auch über 1000 m Höhe ist die Luft voller Wärme und Wasser und die Landschaft erscheint wie von Zauberhand verhangen: undurchdringlich und wie eine verwunschene Gegend, die erst wieder zu realem Leben erweckt werden muss. Regenwald eben.

Foto: Wolfgang Schiele

La Reunion ist die Heimat der Bourbon-Vanille. Nur die hier gewachsene und geerntete Vanilleschote – die Samenkapsel einer Orchideenart, die ursprünglich aus Mexiko stammt – darf diesen Namen tragen. Auf einer Vorzeigefarm wird der Anbau, die Weiterverarbeitung und Vermarktung dieser natürlichen Geschmacksressource gezeigt. Wer etwas abweicht von den touristischen Pfaden, dem gelingt vielleicht auch der Blick in die Schatzkammer und das Herz der Vanilleproduktion: Ein vor der Qualitätskontrolle liegender Berg an Schoten kann schon mal mehrere 10000 Euro wert sein …

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Der Abschied naht: Es geht weiter nach Mauritius – einem weiteren Paradies im Indischen Ozean. Wir nehmen nicht das Boot, sondern den Flieger – und schon nach gut einer Dreiviertelstunde sind wir auf einem weiteren Traumziel angekommen …

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Viel Spaß beim Schauen und Träumen! Das war nun Kapitel Numero fünf einer Studienreise durch den Indischen Ozean. Wer mehr sehen, lesen und schwärmen möchte, kann gern die bisherige Inselwelt besuchen – hier auf meinen vorangegangenen Blogbeiträgen:
https://wp.me/p7Pnay-1R9 – die Insel La Digue,
https://wp.me/p7Pnay-1Sq – die Insel Mahé,
https://wp.me/p7Pnay-1TU – die Insel Praslin,
https://wp.me/p7Pnay-1Vj – die Inseln Cousin und Curieuse.

Vielen Dank für Ihr/Euer Interesse und beste Grüße
Wolfgang Schiele
(Vor-)Ruhestandscoach und Resilienzlotse für Senioren

© Wolfgang Schiele 2019 | Coaching50plus | https://www.coachingfiftyplus.de