Foto: Wolfgang Schiele

In einem Whitepaper hat die Firma tetrapak hat vor einigen Jahren festgestellt, dass die Generation 60+ in den entwickelten Industrienationen über ein Vermögen von 10 Billionen US-Dollar verfügt. Ein gewaltiges finanzielles Polster, das die ungeheure Kaufkraft der Nachkriegsgeneration dokumentiert und eine Reihe von Begehrlichkeiten seitens der Wirtschaft weckt.

Da diese Generation auch in Deutschland mit überdurchschnittlichem Reichtum ausgesstattet ist, stellt sich die Frage: Was wird die Generation Ruhestand vor dem Hintergrund der heranrückenden Klimakatastrophe damit anfangen? Was will sie sich im Alter leisten, welche Sehnsuchtswünsche erfüllen, welche globalen Pläne umsetzen? Und trägt das nicht auch dazu bei, dass sich die Endzeitstimmung immer weiter verschlechtert? Kontinentehopping mit dem Flieger, Weltmeerschippern auf den Ozeanriesen, Landerkundung mit schwergewichtigen SUV´s? Das sind nur einige Stichpunkte, die im Raume, sorry, im Zukunftsplan fitter und mobiler Senioren stehen könnten. Einmal die Sehnsuchtsziele in aller Welt erreichen, gut und anspruchsvoll leben, sich noch selbst verwirklichen. Das wird nicht emissionsfrei funktionieren – im Gegenteil: es wird den „Treibhauseffekt“ noch weiter antreiben. Wird diese Generation unter dem schlechten Gewissen von Flug- oder Reisescham leiden oder den nachdrücklichen Anspruch erheben, endlich jetzt, im postberuflichen Alter, noch einmal all das nachholen zu dürfen, was ihr während der Arbeitsphase nicht möglich war?

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Prof. Tatjana Schnell, eine Glücksforscherin an der Universität in Innsbruck, betrachtet die „Generativität“ – also die Weitergabe von Wissen, Erfahrungen und Fähigkeiten an nachfolgende Generationen – als eine der wichtigsten sozialen Lebensbedeutungen der Menschen in der dritten Lebenshälfte. Doch gerät meine Generation, die Generation der Babyboomer, in den Augen der Nachfolger nicht in den Generalverdacht, für den Klimawandel in beträchtlichem Maße mitverantwortlich gemacht zu werden? Werden wir zu Tätern an der Zukunft der eigenen Kinder – wo wir doch eigentlich hehre Ziele verfolgen mit der Weitergabe von Vermächtnissen und Altersweisheiten und nur das Beste wollen für den Nachwuchs?

Foto: Wolfgang Schiele

Was vererben wir wirklich? Wir sind den Paradigmen des Kapitalismus erlegen – Wachstum und materiellen Reichtum um jeden Preis erlangen, bewahren und mehren. Die Ansammlung von Reichtum mit der Idee, dass es unsere Nachkömmlinge einmal besser haben sollen. Die „natürlich sichtbare“ Realität konterkariert unsere einstmals so noblen Visionen: Wir haben diese Welt mit unserer Raffgier, mit unserer Unmäßigkeit konsequent an den Rand einer globalen Katastrophe gebracht. Wir sind Mit-Täter in diesem Schauspiel, die Opfer werden unsere Kinder und Enkel sein. Nichts mehr mit Generativität und „Wir wollten doch nur das Beste für Euch!“ Nicht auszuschießen die Grundsatzvermutung, dass unsere Gräber geschändet und unsere Biografien verbrannt werden! Kein Wort mehr von generativer Vererbung unserer Tugenden und Werte an die Nachkömmlinge! Heute verstehe ich die Antinatalisten, die ganz bewusst auf Nachkommen verzichten, weil sie sich nicht postum zu Mitzerstörern dieser Welt machen wollen …

Foto: Wolfgang Schiele

Es ist schon eine Krux – die angehenden Ruheständler drohen mit dem Eintritt in ihre „Späte Freiheit“ mit ihren finanziellen Mitteln, den unendlich vielfältigen Möglichkeiten sowie ihren Genuss- und Erlebnisoptionen, das Gegenteil vom dem zu bewirken, was sie ursprünglich wollten: Eine lebenswerte und sorgenfreiere Welt für die nachfolgenden Generationen hinterlassen. Sich späte Wünsche zu erfüllen trägt den Makel in sich, einen wachsenden Anteil am beschleunigten Klimawandel zu haben.

Beste Grüße und vielen Dank für Ihr/Euer Interesse
Wolfgang Schiele, (Vor-)Ruhestandscoach und Resilienztrainer für Senioren

© Wolfgang Schiele 2019 | Coaching50plus | https://www.coachingfiftyplus.de

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