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Was alles muss man unternehmen, testen, ausprobieren, um als aktiv alternder Mensch tatsächlich seine sinnvolle und erfüllende Altersaufgabe für sich zu finden und auszugestalten?

(Manche) Rentner haben niemals Zeit

In meiner Seminarrealität zum Thema `Übergang in den Ruhestand` erlebe ich den „Normalfall“ eines angehenden Kandidaten etwa so: „Super, dass ich endlich gehen kann. Ich habe so viele Pläne, will viel verreisen, mich um die Enkel kümmern und noch so einiges im Garten tun. Es ist so viel liegengeblieben in der Vergangenheit – das alles aufzuarbeiten wird meine ganze Aufmerksamkeit und Zeit benötigen. Da die Nachbarn wissen, dass ich demnächst in Ruhestand gehe, haben sie mich gebeten, ein paar wiederkehrende Sachen für sie zu erledigen, nicht der Rede wert. Außerdem habe ich da ein Bastelhobby und ein Instrument möchte ich auch noch spielen lernen …“ Der Zukunftskalender ist prall vollgepackt mit Interessen, Vorhaben und Arbeit. Diese Ruhestandskandidaten nenne ich die Rastlosen, die Nachholer. Sie laufen unter Umständen Gefahr, sich selbst bedingungslos in ihren unzähligen Zielsetzungen zu verzetteln oder sich abhängig von Dritten zu machen. Meist kommen sie aus Rücksichtnahme oder Scham aus dieser Bindung nicht heraus und die eigenen Pläne bleiben unerfüllt.

Loslassen? Kommt überhaupt nicht in Frage!

Und dann gibt es wieder Menschen, die sich ihr Arbeitsleben lang überdurchschnittlich intensiv mit ihrer Profession identifiziert haben und sich nach dem freiwilligen oder fremdveranlassten Abschied aus dem Beruf in einem Zustand ununterbrochener Suche nach tätiger Erfüllung steckenbleiben. Zwanghaft ist ihr Verlangen, sich immer wieder von Neuem zu beweisen, noch etwas Nützliches für die Gesellschaft zu tun bzw. Untätigkeit im Außen als Übeltat am eigenen Leben zu betrachten. Sie kommen nicht los von der Überzeugung, dass einzig und allein „da draußen“ ihre ganz persönliche Arena sei, in der sie unendliche Erfüllung finden könnten. Sie leben immer noch in einer Welt großer „Ich-Ferne“ und haben wohl eher selten ihren inneren Stimmen gelauscht und Gefühlen nachgespürt, um zu erkennen, dass es meist das eigene innere ICH ist, das nach Sinn, Ausgleich und Erfüllung strebt. Und selbst, wenn sie nach dem Berufsausstieg ab Mitte 60 noch den Bachelor in Volkswirtschaft abgelegt und ein Masterstudium in Anthropologie absolviert haben (habe ich jüngst erlebt!), finden sie offensichtlich keine Ruhe. Sie hetzen gesellschaftlicher Wertschätzung und ewig währender Selbstbestätigung nach. Das sind die (Selbst-)Getriebenen.

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Rentenplanung? – Braucht kein Mensch!

Die Anwärter für den Ruhestand einer dritten Gruppe nehmen den Begriff wörtlich und gehen weder mit Absichten, Plänen oder gar Projekten in die dritte Lebenszeit. Sie sind in den „Stand der Ruhe“ versetzt – und das wollen sie nun auch auskosten! Sie sagen sich: „Das werde ich aber genießen, das habe ich mir verdient! Wieder richtig ausschlafen können und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen! Das mit der Rentenzeit, das regelt sich von ganz alleine! Bis jetzt war ich aktiv, nun können die anderen mal machen!“ Endlich am „Ziel“ ihres Lebens angelangt, frei von strukturellen Zwängen und äußeren Vorgaben erwarten sie die Segnungen und Geschenke grenzenloser Freiheit und endloser Freizeit. Doch nach einiger Zeit bemerken sie, dass es – außer der regelmäßigen Überweisung von Geld von der Rentenkasse – nichts gibt, was ihnen Nachhaltiges widerfährt. Bald besteht der Rentneralltag nur noch aus Tristesse, Langweile und gleichbleibender Leere. Im Hamsterrad des neuen Lebensmittelpunktes „Wohnung“ gefangen, laufen sie Gefahr, depressiv zu werden. Es sind in meinen Augen die Erwartenden, die auf das goldene Tablett warten, das man ihnen vorbeiträgt. Doch sie werden enttäuscht und wollen es nicht wahrhaben, dass da niemand vorbeikommt …

Das eigene Ich steht nun im Mittelpunkt

Zur Ruhe kommen, seinen eigenen Mittelpunkt finden, den tieferen Sinn des Hierseins erkunden und einfach nur geschehen lassen, was ist. All das wurde uns abtrainiert. Alles und Jedes mussten wir unseren Auftraggebern rational erklären und begründen. Uns rechtfertigen für unser Tun und unser Lassen. Immer wieder vorn liegen im Wettbewerb um den begehrtesten Mitarbeiter. Immer wieder wurden wir verglichen mit anderen Konkurrenten und bewertet nach Kennzahlen. Kein Wunder also, dass ein Teil von uns Ruheständlern den beruflichen Wettbewerb noch immer nicht ausgeblendet hat und auf vordere Plätze im sozialen Gefüge drängen will, weil wir es so ein Arbeitsleben lang gewohnt waren. Doch nun ist die Zeit der eigenen Selbstverwirklichung gekommen.

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Finden Sie Ihren Königsweg, meiden Sie Holzwege!

Worin liegt nun das Geheimnis eines gelingenden (Un-)Ruhestands?

Welcher ist der Königsweg, den Sie als Rentner beschreiten sollten?

Was alles muss sich, müssen Sie ändern, um eine erfüllte dritte Lebenszeit zu erleben?

Hier meine Tipps und Empfehlungen:

  1. Lernen Sie sich erst einmal selbst richtig kennen. Stärken Sie Ihre Selbstakzeptanz – mit all Ihren Schwächen und Stärken. Behandeln Sie sich achtsam, wertschätzend und liebevoll! Sie sind er wertvollste Mensch, den Sie kennen! Wenn es ihnen gut geht, geht es auch den Menschen in Ihrer Umgebung gut.
  2. Übernehmen Sie im Ruhestand Verantwortung für sich selbst – in allen Belangen!  Waren Sie bisher in einem Unternehmen beschäftigt, so sind Sie unerwartet selbst zum Unternehmer Ihres eigenen Lebens geworden. Nutzen Sie Ihre Kompetenzen und Lebenserfahrungen!
  3. Strukturieren Sie Ihr Leben neu – im Alltag und für die nächsten 20 Jahre! Erfinden Sie sich neu. Setzen Sie sich langfristige Ziele. Überdenken Sie Ihre innere und äußere Wertewelt. Trennen Sie sich von einschränkenden Glaubenssätzen und Überzeugungen. Wachsen Sie aus den alten sozialen Rollen heraus und schlüpfen Sie in neue Lebenshaltungen.
  4. Bleiben Sie sowohl geistig als auch physisch aktiv. Nutzen Sie jede Möglichkeit zur Bewegung Ihres Körpers und für die Beweglichkeit Ihres Geistes – das erhöht mit großer Wahrscheinlichkeit Ihre Lebenserwartung! Aber legen Sie auch ausreichende Pausen der Entspannung, Rückbesinnung und Erinnerung ein.
  5. Erweitern Sie Ihre Netzwerke und passen Sie Ihre Beziehungen Ihren mobilen und vitalen Fähigkeiten an. Entwickeln und pflegen Sie Kontakte außerhalb Ihres familiären Kreises und finden Sie eine neue, Ihre geistige Heimat.
  6. Entwickeln Sie Ihre Resilienz, Ihre geistige Widerstandsfähigkeit gegen die Wechselfälle des Lebens. Trennen Sie sich von Belastungen, Nörglern und der „Oje-oje-oje-Einstellung“ zum Leben! (Er-)Leben Sie jede Minute in Zufriedenheit und Gelassenheit und so, als ob es Ihre letzte wäre: In „Olé-olé-olé-Stimmung“!
  7. Be-SINN-en Sie sich auf Ihr Leben – finden Sie „Ich-nah“ Ihre Bestimmung, Ihren Lebenszweck und/oder Ihre Mission! Vereinen Sie Verstand und Gefühl in einer Ihrer schönsten Lebensabschnitte und vollenden Sie Ihre Biografie in einem gelingenden Finale!

Womöglich sind wir, die Kohorte der Babyboomer, die einzige Generation, die in den Wirren der Digitalisierung, der fortschreitenden Umweltzerstörung und der Demografiemisere ein Zeitfenster zur Verfügung hat, das wir nach Herzenslust mit unseren eigenen Vorstellungen vom erfüllten Lebensabend gestalten können. Ein Privileg und die vielleicht größte Chance unseres Lebens – Machen wir das Beste daraus!

Ihr (Vor-)Ruhestandscoach Wolfgang Schiele

© Wolfgang Schiele 2018 | Coaching50plus | http://www.coachingfiftyplus.de

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