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Unser Held befindet sich auf einer wichtigen Schwelle seines Lebenswegs: Er verlässt Elysium, seine Arbeitsstätte und betritt Walhalla, seinen Ruheraum. Erst vor Kurzen wurde er aus dem Berufsumfeld verabschiedet. Mit einem Gefühl, das zwischen dem nachklingenden Groll der Entberuflichung und der Erleichterung, dass er die Strapazen der letzten Tage nun endlich überwunden hat, hin und herpendelt …

Die etwas überzogene und tröstlich wirkende Abschiedsrede seines Chefs ist noch gar nicht richtig verhallt, schon beginnt Robert sich mit Aktivitäten einzudecken. Seit geraumer Zeit wollte er sich schon um einen angemessenen Versicherungsschutz für die Familie kümmern. Gleichzeitig meint er, dass es an der Zeit sei, auch die Geldanlagen effektiver zu kontrollieren und am Markt besser zu platzieren. Endlich wäre Luft, die Zeitschriftensammlung  im Keller zu sichten und Unwichtiges auszusortieren. In der ersten Woche kamen auf ihn bereits vier Freunde zu, die ihn baten, einige Aufträge zu erledigen: „Er habe doch jetzt als unerwartet und frisch rekrutierter Rentner eine Menge freie Zeit, mit der er nichts anzufangen wüsste. Sie hätten da was …“ Und die Familie erwartet, dass er nun schon einmal den nächsten Urlaub konkret plant … Robert K. schreitet frisch zur Attacke und legt auf mehreren „Geschäftsfeldern“ ordentlich los. Wer ihn beobachtet, meint sogar ein wenig Freude und Genugtuung in seinem Tun zu erkennen. Er will so viel wie möglich Verdrängungsarbeit leisten, um den Verlust seiner bisherigen strukturierten und selbstverantwortlichen Tätigkeit verkraften zu können. Heute lässt er sich zu einem Vereinsabend der Bowlingfreunde einladen, morgen überreden ihn die Skatfreunde 05, den unbesetzten Schatzmeisterposten zu übernehmen. Nach den Tagen voller Aktionismus fühlt sich Robert K. ausgelaugt und unzufrieden. Er ist rund um die Uhr mit einer Vielzahl von Dingen beschäftigt, die ihn aber am Ende des Tages nicht wirklich glücklich machen.

Was hat er falsch gemacht? Fielen in den Verabschiedungsreden nicht immer wieder die Hinweise auf aktive Ruhestandsgestaltung und den Aufbau von neuen Netzwerken im Alter, um nicht zu versauern? Was hält ihn in permanenter Unruhe, warum schafft er es nicht, seine Zeit so zu strukturieren, dass er abends lächelnd auf die Ereignisse und Begegnungen des Tages zurückblicken kann? Wieso quälen ihn Alpträume über Unerledigtes und warum fühlt er sich plötzlich als „Getriebener seines Ruhestandes“?

Die nächste Episode 6 heißt „Bewährungsproben“.  Wird unser Ruhestandsheld seinen persönlichen (Un)Ruhestandsrhythmus finden? Bleiben Sie neugierig!

Ihr (Vor)Ruhestandscoach Wolfgang Schiele

© Wolfgang Schiele 2018 | Coaching50plus | http://www.coachingfiftyplus.de

 

 

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