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Wie leben in einer Zeit, die geprägt ist von beruflicher Beanspruchung und fachlichen Netzwerken. Seit fast 40 Jahren haben wir uns – nach anfänglichen Schwierigkeiten und manchmal auch mehreren Anläufen – eingerichtet in unserer Welt der Arbeit.

Wir erleben unser „Da-Sein“ durch eine fest vorgegebene zeitliche Struktur, in einem streng reglementierten betrieblichen Rahmen und haben ein umfangreiches Netz von sozialen Kontakten aufgebaut, das uns neben dem familiären Umfeld Halt und Orientierung gibt. Unsere bisherige (Arbeits)Welt ist weitgehend stabil und sicher, überschaubar und kontrollierbar. Wir haben uns fest in vermeintlich sinnvoller Tätigkeit etabliert und trotz aller Störgrößen empfinden wir diese Welt als eine Art Komfortzone, die uns vertraut ist und den Tagesgang vorgibt. Wir erhalten Rückmeldungen über unsere Fähigkeiten und Grenzen, über Fehler und Erfolge. Wir sind ein akzeptiertes Zahnrad im Getriebe der gesellschaftlichen Bestrebungen, eingebunden in einen weitgehend sinnvollen und notwendigen Kreislauf von Betriebsmitteln, Kapital und menschlichen Ressourcen. Und noch ein Stück weit entfernt vom Tag der Lostrennung von beruflich tief eingebrannten Gewohnheiten und unwidersprochenen Selbstverständlichkeiten. Kurz: Wir haben uns eingerichtet, fühlen uns gebraucht und gewertschätzt, sind zugleich Absender und Empfänger sozialer Teilhabe. Und obwohl wir die kommende Transformation vom Beruf in das Rentnerdasein emotional bereits erkannt haben, sind wir verstandesgemäß noch außerordentlich eng verbunden mit dem Arbeitsmodus. Zwar erscheinen uns die ersten auftauchenden Bilder des kommenden Ruhestandes attraktiv und verlockend, aber sie sind bisher nur vage Konstrukte einer unbekannten, aber offenbar selbsterklärenden Zukunft.

Der beispielhafte Ruhestandsanwärter – nennen wir ihn Robert K. – ist ein engagierter Mitarbeiter der mittleren Führungsebene. Er ist seit fast 40 Jahren fest im Job und Unternehmen integriert, arbeitet weitestgehend selbständig und ist mit seinem Beruf und seinem Arbeitsumfeld im Reinen. Mit häufig wechselnden Organisationsstrukturen und Vorgesetzten kommt er gut zurecht und ist gern bereit, anspruchsvolle – und von Zeit zu Zeit auch zusätzliche – Aufgaben zu übernehmen. Robert K. hat sich über Jahrzehnte hinweg an den wechselnden Rhythmus der Arbeit gewöhnt und sein Leben weitestgehend an die Unternehmenswelt angepasst. Über die Rente, in die er in etwa drei Jahren planmäßig gehen wird, hat er sich noch keine konkreten Gedanken gemacht. In zu weiter Ferne liegen die Tage der grenzenlosen Freiheit. Und die Erzählungen älterer Bekannter, die von der grenzenlosen Rentnerfreiheit schwärmen, haben ihn gelassen und optimistisch gemacht, dass sich das mit dem Ruhestand schon ganz von allein regeln wird …

Demnächst folgt Episode 2: „Der Ruf des Abenteuers“. Bleiben Sie gespannt!

Ihr (Vor)Ruhestandscoach Wolfgang Schiele

© Wolfgang Schiele 2018 | Coaching50plus | http://www.coachingfiftyplus.de

 

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