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Es ist schon eine erschreckende Tatsache: 45% aller Suizide werden in Deutschland von Menschen vollzogen, die das 60. Lebensjahr überschritten haben …

Alle Jahre wieder, insbesondere am Welttages der Suizidprävention am 10. September, werden wiederholt kritische Stimmen laut, die fordern, größeres Augenmerk auf die Aufklärung und Unterstützung der Personen zu legen, die sich mit Gedanken zur Selbsttötung tragen. Das ist bei weitem keine leichte Aufgabe, denn die Betroffenen sind gerade diejenigen, die die Öffentlichkeit meiden und ihrer Umwelt nur selten offenbaren, dass sie ihrem Leben ein Ende setzen wollen. Ganz darüber zu schweigen, welche Ursachen sich dahinter verbergen.

Ursachen wenig erforscht und beschrieben

Die Literatur über die Ursachen der Suizidgedanken und tatsächlichen Selbsttötungen scheint mir recht dürftig. Selbst in einer Bibliothek, wie der des „Deutschen Zentrums für Altersfragen“ (dza) in Berlin, die für sich in Anspruch nimmt, eine der umfangreichsten Sammlungen von Veröffentlichungen zum „Thema Altern“ im deutschsprachigen Raum aufzubewahren, ist die Leseausbeute eher bescheiden. Doch das liegt wohl weniger an dieser von mir sehr geschätzten Einrichtung, als vielmehr an den Untersuchungen und den Veröffentlichungen zu den Beweggründen, die es darüber gibt.

Ein Drittel aller Menschen über 60 Jahre sind Singles

Statistisch belegt ist, dass etwa ein Drittel der Menschen im Alter über 60 Jahren als Single lebt. Damit ist eine wichtige Ursache für den Freitod in der Vereinsamung des Individuums begründet. Menschen, die ihren – vielleicht lange Zeit in der Familie dominierenden Lebenspartner früh verloren haben – sehen sich nicht in der Lage, aus eigener Motivation heraus den Kontakt zu anderen Menschen weiter aufrecht zu halten oder gar neue Beziehungen einzugehen. Der Verlust wird oft sehr lange betrauert und die Kraft zu eigenem Aufraffen verringert sich mit zunehmendem Alter. Und die Singles haben in vielen Fällen auch keine Angehörigen, die sich um sie kümmern. Kommen dann noch körperliche oder seelische Gebrechen hinzu und chronifizieren diese, dann drehen sich die Gedanken in einer stetig enger werdenden Abwärtsspirale dem Freitod entgegen.

Männer besonders gefährdet

Insbesondere bei den Männern ist eine verstärkte Suizidneigung im Alter ab etwa Ende 50 zu beobachten. Einen nicht zu unterschätzenden Beweggrund und letztlich auch Auslöser stellen die fehlende Anerkennung und die Wertschätzung des beruflich Erreichten dar. Respekt und Achtung vor der Lebensleistung in der bisher eingenommenen Position (ver)schwinden schlagartig in dem Moment, in dem der Betroffene vom Unternehmen „verlassen“, sprich in die „Späte Freiheit entsandt wurde. Gelingt es dem Entberuflichten nicht, in neue alter(n)skonform anspruchsvolle Aufgaben und Rollen zu schlüpfen, die ihm eine in Intensität und Qualität vergleichbare (!) Wertschätzung verschaffen, so tritt Leere und Sinnverlust an die Stelle der bis dato entgegen gebrachten persönlichen Anerkennung.

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Werden Sie aktiv!

Mein Rat für Betroffene und Gefährdete: Bauen Sie beizeiten – nämlich noch in der Berufszeit – Netzwerke auf. Sowohl in der Realität als auch in den sozialen Netzwerken! Denn nichts ist so wichtig, wie der Kontakt, die Beziehung und Austausch zu und mit anderen Menschen. Schließen Sie sich Gruppen an, deren Mitglieder wie Sie oder ähnlich denken und fühlen. Und leisten Sie Ihren aktiven Beitrag zum Austausch mit diesen Menschen – Sie werden sehen, wie schnell und wirksam Sie zu einem wertvollen und geschätzten Teil der Gruppe oder der Gemeinschaft werden.

Ihr (Vor)Ruhestandscoach Wolfgang Schiele

© Wolfgang Schiele 2016 | Coaching50plus | www.coachingfiftyplus.de

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